Inhalt
Prolog
Erstes Bild
Das Werk beginnt mit einer viermal wiederholten viereinhalbtaktigen Melodie in Form einer schlichten russischen Volksweise. Sie umfasst mit einer Septime einen relativ kleinen Tonumfang und wirkt durch ihre engen Intervalle (größtes Intervall ist eine Quarte) und den Mollcharakter „slawisch“ und etwas bedrückt.[3] Sie wird zuerst unisono von Fagott und Englisch Horn, dann von Klarinette und Horn mit einer Pizzicato-Streicherbegleitung in Achteln und schließlich im Bass in der Quinte zu Sechzehntelfiguren der Oboe präsentiert. Mit der letzten Wiederholung gewinnt die nun im Bass liegende oktavierte und voller orchestrierte Melodie einen zunehmend bedrohlichen Charakter.
Sieben Takte leiten zum Beginn der Handlung über. Hier erscheint zuerst folgendes in der Forschung als „Unterdrückungs/Gewalt-Motiv“ bezeichnete und im Verlauf des Werkes wiederholt auftretende motorische Motiv.[4]
Der Vogt Nikitsch nötigt in Form eines durch die Streicher im Tremolo Vibrato begleiteten Rezitativs die sich vor dem Kloster aufhaltende Menge, Bittgesänge anzustimmen, um den unentschlossenen Boris dazu zu bewegen, die Zarenkrone anzunehmen. Das Volk beginnt – wie so oft im Werk – mit einem nicht ganz freiwilligen Lobpreis auf den zukünftigen Zaren.[5] Die Aufforderung Nikitschs wird von einem abwechselnd unisono und vierstimmig agierenden Chor im Stil russischer Volksmusik, inklusive Einwürfen einzelner Personen des Volkes, beantwortet.[6] Durch die Verwendung von Kirchentonarten, den vermehrten Einsatz von Chromatik sowie die realistische Darstellung des Volkes und seiner Reaktionen fällt der Chor aus dem zeitgenössischen Rahmen damals in Russland beliebter ausländischer Opern (z. B. Giuseppe Verdis), aber auch der Romantik eines Tschaikowski oder Rubinstein und verweist bereits auf spätere Entwicklungen wie den Naturalismus oder Verismus.[7] Der Sekretär der Duma, Schtschelkalow, fordert die Menge in einem melodiösen Rezitativ erneut auf, Boris zu unterstützen und für ihn zu beten. Ihm antwortet ein primär mit Streichern instrumentierter, weicher „Chor der Pilger“, der sich im weiteren Verlauf zu einer voll orchestrierten Hymne steigert. Das dem Volk abverlangte obrigkeitsorientierte Staatsverständnis spiegelt dabei folgender Textausschnitt:
„Tritt entzwei den Drachen, der wild uns bedrängt mit abertausend giftigen Krallen. Jenen Drachen, der da heißet: Aufruhr und Empörergeist. Kündet es der gläub’gen Christenheit, ihr zum ew’gen Heil!“
Zweites Bild
Boris gibt sich demütig, um den Eindruck zu vermeiden, dass er selbst nach der Krone strebe. Schließlich akzeptiert er und betritt unter dem Jubel des Volks die Kathedrale, um an den Zaren-Gräbern zu beten. Er verspricht, gerecht zu herrschen.
Erster Akt
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Im Kloster Tschudow sitzt der Mönch Pimen über der Chronik Russlands, die er schreibt. Er bittet den jungen Grigorij, das letzte Kapitel für ihn zu vollenden, da er sich selbst zu müde und schwach fühlt. In diesem letzten Kapitel wird es um die Geschehnisse um den jungen Zarewitsch gehen, der auf Betreiben Boris Godunows ermordet wurde. Er wäre jetzt so alt wie der Mönch Grigorij. Dieser zeigt sich von der Geschichte sehr angetan.
Zweites Bild
In einer Gastwirtschaft an der Grenze zu Litauen kehrt Grigorij zusammen mit zwei entlaufenen Mönchen, denen er sich angeschlossen hat, ein. Von der Wirtin versucht er den Weg über die Grenze zu erfahren. Die auftauchende Wache zeigt einen Steckbrief vor, in dem nach dem aus dem Moskauer Kloster entlaufenen Mönch gefahndet wird. Da der Soldat jedoch nicht lesen kann, erhält Grigorij die Gelegenheit, den Verdacht auf einen seiner beiden Begleiter zu lenken. Dieser jedoch entziffert die wahren Angaben des Steckbriefs und Grigorij rettet sich mit einem Sprung aus dem Fenster.
Zweiter Akt
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Saal im Kreml. Die Tochter Boris’, Xenia, trauert um ihren verstorbenen Verlobten. Ihr Bruder studiert die Landkarte des großen russischen Reiches. Amme und Feodor suchen Xenia durch ein munteres Lied zu erheitern. Nach Eintreten des Vaters weist dieser seinen Sohn Feodor auf das schwere Amt des Herrschers hin. Das Familienidyll wird aufgelöst durch das Erscheinen Schuiskijs, den Boris konspirativer Tätigkeit verdächtigt. Schuiskij berichtet von einem Usurpator, der sich in Polen als rechtmäßiger Zar Dmitri ausgebe und starken Anhang gefunden habe. Schuiskij muss durch die verunsicherte Nachfrage Boris beteuern, dass der Zarewitsch den sicheren Tod gefunden habe, da er selbst seine Leiche in der Kathedrale von Uglitsch gesehen habe. Boris bleibt, gequält von Gewissensbissen, im Zimmer zurück. Ihm erscheint die Vision des ermordeten Knaben und er sinkt zusammen.
Dritter Akt
Erstes Bild
Im Schlosse von Sandomir in Polen träumt Marina Mnischek, egoistische Tochter des Wojwoden von Sandomir, als künftige Zarin Einzug in Moskau zu halten. Den fremden Abenteurer, der sich für den Zarewitsch Dmitri ausgibt, will sie sich zu Nutze machen. Der Jesuit Rangoni unterstützt Marina in diesem Ansinnen, da das hohe Ziel der Kirche durch eine Heirat der Katholikin mit Dmitrij erreicht würde.
Zweites Bild
Rangoni überbringt dem im Schlossgarten wartenden Dmitri die Kunde von Marinas Liebe zu ihm und bittet den Zarewitsch, ihn als Berater begleiten zu dürfen. Als Marina, umschwärmt von einem Haufen Magnaten, Dmitri gegenübertritt, fühlt dieser Eifersucht aufsteigen. Marina, die bald darauf allein zurückkehrt, versichert ihm jedoch, ihm angehören zu wollen, so er ihr die Zarenkrone verschaffe.
Vierter Akt
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Im Kreml beraten die Bojaren über Maßnahmen gegen den Usurpator. Schuiskij berichtet vom schlechten Gesundheitszustand des Zaren, der jedoch zur Ratsversammlung erscheint – ein Schatten seiner selbst. Pimen tritt ein und berichtet vom Wunder des Blinden, dem der ermordete Knabe im Dom zu Uglitsch erschienen sei und der darauf sein Augenlicht wiedergewann. Boris Godunow bricht darauf zusammen, verlangt das Büßergewand, übergibt die Krone an seinen herbeigerufenen Sohn Feodor und stirbt.
Zweites Bild
Wald bei Kromy. Die erregte Menge schleppt den Bojaren Chruschtschow herbei, um ihn zu verhöhnen. Ein Schwachsinniger (Gottesnarr) wird von Knaben geneckt und beraubt. Die beiden entlaufenen Mönche aus der Schenke treten auf und singen, um Stimmung für den Zarewitsch Dmitri zu machen. Zwei Jesuiten schließen sich ihnen an, erregen jedoch das Missfallen der Menge, sodass Dmitri dazwischentreten muss, damit sie nicht gelyncht werden. Der Usurpator verheißt allen von Boris Godunow Verfolgten Beistand. Die Menge bricht in Jubel aus, nur der Schwachsinnige (Narr) klagt: „Wehe dir, du armes Volk!“